Birnen-Tallow Balsam: Was mit meiner Winterhaut passiert ist
Okay, also. Letzte Woche. Oder vor zwei Wochen. Jedenfalls war es kalt, dieses richtige, trockene Januar-Kalt, und meine Haut hat einfach aufgegeben. Komplett. Meine Hände sahen aus wie eine Landkarte, und mein Gesicht? Fühlte sich an wie dieses Pergamentpapier von Oma, dieses ganz alte, das schon ganz spröde ist und bei der kleinsten Bewegung knistert. Ich saß da, auf meinem Bett, die Heizung hat geknackt, und draußen hat irgendjemand seinen Müll rausgebracht. Und ich dachte nur: Das kann doch nicht alles sein.
Ich hatte schon alles durch. Die teure Creme von La Mer? Hat nix gebracht, außer dass mein Portemonnaie leichter war. Die von CeraVe aus der Apotheke? Hat sich irgendwie nur draufgesetzt. Nivea im blauen Büchschen? Klassiker, aber bei diesem Winter war das auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Ich war echt verzweifelt. Und dann, irgendwie durch dieses schwarze Loch namens Instagram, stoße ich auf diesen Etsy-Shop. Und die verkaufen da… Talg. Rindertalg. Als Gesichtscreme. Ich dachte mir: Ernsthaft? Das klingt nach etwas, das meine Urgroßmutter im Krieg benutzt hat. Aber meine Haut war so schlimm, ich hätte wahrscheinlich auch Motoröl ausprobiert.
Also, ich hab’s bestellt. Dieses „Whipped Tallow Balm“ in „Pear“. Aus Frankreich, von grasgefütterten Rindern, alles sehr feierlich. Und dann kam es an.
Wie ich überhaupt auf die Idee mit Talg kam
Das war so eine Mischung aus Verzweiflung und Neugier. Ich hatte mal irgendwo gelesen, dass Talg dem natürlichen Hauttalg, also unserem eigenen Sebum, sehr ähnlich sein soll. Und dass es deshalb super einzieht, anstatt nur eine Schicht draufzulegen. Klingt logisch, oder? Aber trotzdem. Es ist tierisches Fett. Das macht man aufs Brot, nicht ins Gesicht. Zumindest dachte ich das.
Aber die Beschreibung klang irgendwie nicht abturnend. „Luxuriös aufgeschlagen“, stand da. Und der Duft: Birne. Nicht aufdringlich, sondern leicht. Das klang… erträglich. Und ich dachte mir, für meine trockene Haut im Winter kann ein Experiment nicht schlimmer sein als dieser ständige Juckreiz an den Schienbeinen. Wirklich, das war das Schlimmste. Ich zerkratze mich nachts im Schlaf.
Ach ja, und meine Lippen. Total rissig. Egal wie viel Labello. Nichts half. In der Produktbeschreibung stand auch was von spröden Lippen. Na gut. Alles oder nichts.
Als die Dose dann da war
Die Packung war niedlich, muss ich sagen. Kein großer Karton, einfach so eine kleine Metalldose. Sah aus wie eine alte Zinndose für Bonbons. Ich hab sie aufgemacht. Und dann… roch es. Also, es roch nicht nach Fett. Gar nicht. Es roch nach… ich weiß nicht. Süß, aber nicht klebrig-süß. Einfach frisch. Birne vielleicht? Aber nicht wie dieser künstliche Birnen-Joghurt. Eher so, als ob jemand eine reife Birne in der anderen Zimmerecke liegen hätte. Sehr dezent. Ich war schon mal erleichterter.
Die Konsistenz war seltsam. Nicht cremig, nicht fest. Irgendwie… wolkig. Wenn man mit dem Finger reingeht, gibt es einfach nach. Wie sehr weiche Butter, die gerade aus dem Kühlschrank kommt. Aber nicht fettig. Komisch zu beschreiben. Ich hab mir ein bisschen auf den Handrücken geschmiert. Und dann das Seltsame: Es ist einfach verschwunden. Kein Fettfilm. Nichts. Meine Haut fühlte sich einfach nur… weich an. Nicht glitschig. Einfach beruhigt. Das hatte ich noch nie erlebt.
Ich war so perplex, dass ich erstmal fünf Minuten da saß und meinen Handrücken angestarrt habe. Der Fernseher lief nebenbei, irgendeine Quizshow. Ich hab gar nicht zugehört.
Der Testlauf im Gesicht (und überall sonst)
Also gut. Abends, nach der Reinigung. Ich nehm‘ eine erbsengroße Menge – wirklich, mehr braucht man nicht – und verreib sie in meinen Händen. Sie wird dabei ganz weich, fast ölig, aber nicht richtig ölig. Und dann ins Gesicht. Wangen, Stirn, alles. Es zieht so schnell ein, dass man fast nachlegen möchte, aber dann merkt man: Nein, es ist schon da. Die Haut fühlt sich sofort entspannter an. Dieser leichte Zug, den ich den ganzen Tag hatte, war einfach weg.
Aber das Beste kam morgens. Ich wache auf und fahre mir aus Gewohnheit übers Gesicht, erwarte diese leichte Schicht von der Nachtcreme… und da ist nichts. Aber meine Haut fühlt sich auch nicht trocken an. Sie fühlt sich… normal an. Das klingt bescheuert, aber das war das Verrückteste. Sie fühlt sich einfach wie Haut an, nicht wie ein ausgetrockneter Schwamm. Keine neuen roten Stellen an den Wangen. Nichts.
Das war der Moment, wo ich dachte: Okay, vielleicht ist da doch was dran an diesem ganzen Natural Skincare Kram mit Talg.
Ich hab dann angefangen, es überall zu benutzen. Auf die super trockenen Ellenbogen. Auf die Hände, bevor ich schlafen gehe. Und natürlich auf die Lippen. Ein winziger Dab, einreiben – und die Risse waren nach zwei Tagen einfach weg. Wirklich weg. Ich war baff. Mein Freund hat mich angeschaut und gesagt: „Was ist? Du siehst so glücklich aus.“ Und ich so: „Meine Ellenbogen sind weich!“ Er hat mich für verrückt erklärt. Völlig zu Recht.
Warum Rindertalg für die Haut irgendwie Sinn ergibt
Also, ich bin kein Chemiker. Aber ich hab mir das dann mal so erklärt: Wenn unser eigener Hauttalg (Sebum) ähnlich zusammengesetzt ist wie Rindertalg, dann erkennt unsere Haut das quasi. Es ist kein Fremdkörper. Es ist wie: „Ah, mehr von dem Zeug, das wir eh produzieren, aber gerade nicht genug schaffen.“ Und dann nimmt die Haut es einfach auf, anstatt eine Barriere dagegen zu bilden.
Das erklärt, warum es nicht komedogen ist, also die Poren nicht verstopft. Es will ja gar nicht draußen bleiben, es will rein. Für fettige Haut wäre es vielleicht nix, aber für meine trockene Winterhaut? Perfekt. Es füllt quasi die Lücken auf, die die Kälte und die Heizungsluft aufreißen.
Und dieses „Whipped“, also Aufschlagen, macht die Textur einfach angenehm. Es ist nicht hart oder krümelig. Es ist leicht und luftig. Einfach gut zu verteilen. Kleiner Tipp: Wenn man es zwischen den Fingern verreibt, wird es durch die Körperwarme sofort schön geschmeidig.
Ach ja, und die Sache mit den kleinen Fältchen. Ich hab so diese Lachfältchen neben den Augen. Die sind nicht weg. Das wäre auch gelogen. Aber sie sehen… ausgefuchster aus? Nicht so trocken und betont. Als ob sie besser mit Feuchtigkeit versorgt wären. Das ist wahrscheinlich genau das, was passiert.
Würde ich es wieder kaufen? Und an wen ich’s verraten hab
Ja. Ohne zu zögern. Ich bin gerade bei meinem zweiten Döschen. Das erste hat ewig gehalten, bestimmt drei Monate, obwohl ich es fast täglich benutzt habe. Ein bisschen reicht wirklich weit.
Ich hab’s sogar meiner Mutter gegeben. Sie hat manchmal mit Psoriasis zu kämpfen, besonders an den Ellenbogen. Ich hab ihr gesagt, sie soll es mal probieren, es kann ja nicht schlimmer werden. Sie war auch erst skeptisch („Talg? Wirklich?“), aber letzte Woche hat sie mich angerufen und gesagt, die Stellen wären viel ruhiger und weniger schuppig. Sie hat sich selbst eins bestellt.
Das ist das Ding. Es fühlt sich nicht an wie eine Wunderwaffe. Es fühlt sich an wie eine sehr simple, sehr logische Lösung für ein Problem, das wir mit komplizierten Chemie-Cocktails lösen wollten. Manchmal ist das Einfachste einfach… das Einfachste.
Ich bestell immer noch bei dem kleinen Etsy-Shop. Die haben nur ein paar Produkte, das mag ich. Kein großer Marketing-Kram. Einfach nur das Zeug.
Kurze Fragen, die mir immer gestellt werden
Ist Rindertalg gut fürs Gesicht? Für trockene, gereizte oder reife Haut meiner Erfahrung nach: Ja. Weil es so ähnlich ist wie unser eigener Hauttalg, zieht es super ein und versorgt die Haut von innen heraus, statt nur eine Schicht draufzulegen. Es ist kein Wundermittel, aber eine mega gute Grundversorgung.
Verstopft Talg-Balsam die Poren? Eigentlich nicht, weil es ja einzieht. Es liegt nicht als Fettfilm oben auf und verstopft was. Meine Mischhaut (trockene Wangen, leicht fettige T-Zone) verträgt es super. Bei sehr fettiger Haut vielleicht erstmal an einer kleinen Stelle testen.
Wie riecht der Birnen-Tallow Balsam? Ehrlich gesagt, schwer in Worte zu fassen. Nicht nach künstlichem Parfüm. Einfach… leicht süß und frisch. Nach reifer Frucht, aber ganz dezent. Der Duft verfliegt schnell, nach dem Einziehen riecht man eigentlich gar nichts mehr. Das find ich gut.
Also, ja. Das war’s. Mein kleines Winter-Wunder in der Blechdose. Wenn deine Haut auch so diesen trockenen, verzweifelten Januar-Vibe hat und nichts mehr hilft… vielleicht ist es einen Versuch wert. Ich bleib auf jeden Fall dabei. Meine Haut ist happy, und ich muss nachts nicht mehr an meinen Schienbeinen kratzen. Das ist schon mal ein riesen Gewinn.
